Sonntag, 8. Oktober, 11 Uhr, Osterkirche:
Das sogenannte Priestertum aller Glaubenden

Revolutionär ist diese eine christliche Idee: Jede und jeder hat eine direkte Verbindung zu Gott, zu seiner guten Begleitung und Kraft. Gott baut die Brücke zu uns. Wir betreten sie mit unserem Glauben. Das wollte Jesus zeigen. Da müssen sich nun keine anderen Menschen mehr als Vermittler zum Heiligen zwischendrängen. Martin Luther hat diese urchristliche Überzeugung wiederentdeckt und verteidigt, auch mit seiner Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache, damit alle sie verstehen können, und mit Musik.

Nach dem Gottesdienst werden wir eine Ausstellung mit historischen Bibeln und Gesangbüchern aus fünf Jahrhunderten eröffnen.

Heiko Landwehr

Traditionell feiert die Kita Osterkirche im November ihr Lichterfest.

Den Anfang macht dabei ein Familiengottesdienst in der Osterkirche, in dem die Geschichte vom heiligen St. Martin lebendig wird. Anschließend gibt es auf dem Kirchenhof etwas zu essen/ trinken.

„Ein bisschen so wie Martin
möcht ich manchmal sein
und ich will im Streit nicht leben,
dir die Friedenspfeife geben.
Nur ein bisschen, klitzeklein,
möcht ich wie Sankt Martin sein.“
(Text: Elke Bräunling Melodie: Paul G. Walter)

Dieses Kinderlied sagt so viel über die kindliche Leichtigkeit aus. Uns Erzieherinnen aus der Kita-Osterkirche ist dieser Schatz bewusst, und wir bestärken die Kinder im ehrlichen Umgang miteinander.

Mit großen Augen schauen uns die Kinder an, wenn wir ihnen die Geschichte vom St. Martin erzählen. Jedoch reicht dies allein den Kindern nicht aus. Gern spielen sie mit den bereit gestellten Figuren, oder mit unserem Verkleidungsfundus die Geschichte nach. Sie schlüpfen in die Rolle des Offiziers Martin. Immer wieder wird der Mantel, der schützt und wärmt, geteilt.
Auch in unserem täglichen Alltag leben wir das Symbol des Teilens nach. Hat ein Kind sein Frühstück vergessen oder ist der Hunger einfach mal größer, gibt es unseren „Räuberteller“. Jedes Kind schaut auf seinen Teller, ob es etwas zum Teilen hat.
Die Wendung des Offiziers Martin zum barmherzigen St. Martin bestärkt uns dabei, den Kindern aufzuzeigen, auf ihr Bauchgefühl zu hören und unterstützen sie dabei, in unangenehmen Situationen „Nein“ zu sagen. Schließlich ist Martin aus dem sehr angesehenen Offiziersdienst ausgestiegen, um Gutes tun zu können.

Heiko Landwehr
Sonntag, 8. Oktober, 11 Uhr, Osterkirche:
Das sogenannte Priestertum aller Glaubenden

Revolutionär ist diese eine christliche Idee: Jede und jeder hat eine direkte Verbindung zu Gott, zu seiner guten Begleitung und Kraft. Gott baut die Brücke zu uns. Wir betreten sie mit unserem Glauben. Das wollte Jesus zeigen. Da müssen sich nun keine anderen Menschen mehr als Vermittler zum Heiligen zwischendrängen. Martin Luther hat diese urchristliche Überzeugung wiederentdeckt und verteidigt, auch mit seiner Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache, damit alle sie verstehen können, und mit Musik.

Nach dem Gottesdienst werden wir eine Ausstellung mit historischen Bibeln und Gesangbüchern aus fünf Jahrhunderten eröffnen.

Heiko Landwehr

Traditionell feiert die Kita Osterkirche im November ihr Lichterfest.

Den Anfang macht dabei ein Familiengottesdienst in der Osterkirche, in dem die Geschichte vom heiligen St. Martin lebendig wird. Anschließend gibt es auf dem Kirchenhof etwas zu essen/ trinken.

„Ein bisschen so wie Martin
möcht ich manchmal sein
und ich will im Streit nicht leben,
dir die Friedenspfeife geben.
Nur ein bisschen, klitzeklein,
möcht ich wie Sankt Martin sein.“
(Text: Elke Bräunling Melodie: Paul G. Walter)

Dieses Kinderlied sagt so viel über die kindliche Leichtigkeit aus. Uns Erzieherinnen aus der Kita-Osterkirche ist dieser Schatz bewusst, und wir bestärken die Kinder im ehrlichen Umgang miteinander.

Mit großen Augen schauen uns die Kinder an, wenn wir ihnen die Geschichte vom St. Martin erzählen. Jedoch reicht dies allein den Kindern nicht aus. Gern spielen sie mit den bereit gestellten Figuren, oder mit unserem Verkleidungsfundus die Geschichte nach. Sie schlüpfen in die Rolle des Offiziers Martin. Immer wieder wird der Mantel, der schützt und wärmt, geteilt.
Auch in unserem täglichen Alltag leben wir das Symbol des Teilens nach. Hat ein Kind sein Frühstück vergessen oder ist der Hunger einfach mal größer, gibt es unseren „Räuberteller“. Jedes Kind schaut auf seinen Teller, ob es etwas zum Teilen hat.
Die Wendung des Offiziers Martin zum barmherzigen St. Martin bestärkt uns dabei, den Kindern aufzuzeigen, auf ihr Bauchgefühl zu hören und unterstützen sie dabei, in unangenehmen Situationen „Nein“ zu sagen. Schließlich ist Martin aus dem sehr angesehenen Offiziersdienst ausgestiegen, um Gutes tun zu können.

Heiko Landwehr
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Richtig Reformieren

Reformieren klingt gut. Raus aus dem alten Trott, in eine neue, geeignete Form bringen. Eine Reform kann aber auch ein Schummelpaket sein. Etwas soll überprüft und verbessert werden. Aber z.B. die sogenannten „Reformen zur Marktöffnung“ in zu entwickelnden Ländern sind oft der Beginn eines Absturzes. Landwirte müssen auf einmal Monokulturen für den Weltmarkt anlegen, die Preise brechen ein, die Erlöse sind nicht mehr kostendeckend, die Menschen verschulden sich, werden von ihrem Land vertrieben. Reformen stehen häufig für uneingelöste Versprechen von Wohlstand und Gerechtigkeit, auch bei uns.


Dabei bedeutet „re-formieren“ wörtlich in die ursprüngliche Form zurückverwandeln, etwas so wiederherstellen, wie es eigentlich gedacht war. Das wollte auch Martin Luther mit dem, was als Reformation bezeichnet wird. Er kannte seine Bibel und hatte Kostbares entdeckt. Niemand ist besser oder schlechter oder heiliger als der andere. Luther war davon überzeugt: Jeder Christ soll die Bibel selbst lesen und verstehen, und jeder ist in dem, wie er glaubt, nur Gott gegenüber verpflichtet, aber keinem Menschen.

In dieser Perspektive wird viel kirchliche Hierarchie überflüssig. Gewaltige gesellschaftliche Umbrüche waren die Folge von Luthers Entdeckungen und Ideen. Solche gesellschaftliche Sprengkraft entfalten wir als Kirche heute nicht. Stattdessen sorgen wir für Gemeinschaft ohne Vorbedingungen, gesellschaftliche Impulse, aber auch geistlichen Tiefgang. Wir halten Orte für die Seele bereit und stehen Menschen in Lebensübergängen und in Notfällen zur Seite. Mit Festen wie der Geburt des Jesuskindes feiern wir lebensbejahende Traditionen. Deswegen ist Kirche nie überflüssig. Aber die Kirche ist mit allem, was darin getan wird, auch immer vorläufig, nicht perfekt, noch nicht fertig. Kirche muss immer weiter entwickelt, also reformiert werden, damit sie nicht erstarrt.

Insofern bleibt Reformation spannend. Nicht als Kult um Luther, sondern als eine Bewegung, in der verschiedene Menschen zusammen gucken, was einem guten Zusammenleben aller dient, und die Zukunft gestalten. Ich wünsche mir eine Kirche, in der die persönlichen Lebensgeschichten mit ihren Drehungen und Umwegen ihren Raum haben. Ich wünsche mir eine Kirche, in der wir uns gegenseitig ermutigen, mit weniger Verwaltung und mehr unvoreingenommener Gemeinschaft und dem rechten Maß an Nähe und wohltuender Distanz. Ich wünsche mir eine Kirche, in der sogar das Abgründige des Lebens gesehen und ausgehalten wird. Ich wünsche mir eine Kirche, in der niemand beschämt wird, sondern in der das Vertrauen auf die gute Lebenskraft, die Gott schenkt, tiefgründig, kreativ und verspielt lebt.

Irgendwie wirkt eine solche weiter gehende Reformation auch schnell als ein viel zu großes Projekt. Aber wir sind viele. Und viele der Wünsche sind ja schon in Erfüllung gegangen. Außerdem hat Jesus uns dieses Mut machende Bild erzählt:

„Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch auf seinen Acker säte. Es ist zwar kleiner als alle Arten von Samen, wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als die Kräuter. Es wird ein richtiger Baum, so dass die Vögel kommen und in seinen Zweigen ihre Nester bauen.“ (Matthäusevangelium)

Diese Erfahrung wünsche ich uns allen im Jubiläumsjahr der Reformation.

Ihr Heiko Landwehr